Artikel in der Main-Spitze
Raunheim. Die FDP Raunheim hat bei der Kommunalwahl im März nicht nur erheblich an Stimmen einbüßen müssen, die bis dahin aus drei Mitgliedern bestehende Fraktion schrumpfte auch auf einen Sitz zusammen. Im neu gewählten Stadtparlament hält seitdem der seitherige Fraktionsvorsitzende und Stadtverordnete Hans-Joachim Hartmann, der innerhalb der FDP-Liste die meisten Stimmen auf sich vereinte, die Stellung.
Seit der jüngsten Sitzungswoche bildet der 70-Jährige mit der SPD eine aus insgesamt zehn Sitzen bestehende sozial-liberale Fraktionsgemeinschaft. Das Recht, im Parlament für die FDP zu sprechen, geht dem Stadtverordneten damit allerdings verloren.
Unter Abwägung des Für und Wider, sagt Hartmann, habe er für diese Entscheidung „einige Zeit benötigt“. Für ihn gehe es dabei jedoch in erster Linie darum, die „Handlungsfähigkeit eines Einzelkämpfers und der Möglichkeit, kommunalpolitische Verantwortung“ weiter aktiv wahrnehmen zu können. Der Schritt in die Fraktionsgemeinschaft ändere nichts an seinen politischen Überzeugungen. „Ich bin und bleibe Freier Demokrat“, erklärt der Hartmann, dessen Nähe zur SPD allerdings dem ehemaligen Bürgermeister Thomas Jühe immer wieder Anlass zu Sticheleien gab.
Anspruch sei es, auch in Fraktionsgemeinschaft, „liberale Ideen und pragmatische Lösungen in die politische Arbeit für Raunheim einzubringen“. „Für mich stehen wirtschaftliche Vernunft, solide Finanzen, eine leistungsfähige und bürgerfreundliche Verwaltung, der Abbau unnötiger Bürokratie sowie die Förderung von Digitalisierung, Bildung und einer starken lokalen Wirtschaft im Mittelpunkt“, sagt der langjährige Raunheimer-FDP-Mann, der dem Parlament durchgehend seit 1993 angehört.
Keine Aufgabe der eigenen politischen Identität
Die Fraktionsgemeinschaft mit der SPD, versichert Hartmann, sei „eine Form der Zusammenarbeit – keine Aufgabe der eigenen politischen Identität“. Für ihn sei das „extrem wichtig“, um den regelmäßigen Informationsfluss sicherzustellen. Gerade in der Kommunalpolitik gehe es darum, „gemeinsam tragfähige Lösungen für die Menschen vor Ort zu entwickeln“. Wo SPD und FDP gemeinsame Ziele verfolgen, „werden wir konstruktiv zusammenarbeiten“. Wo liberale Positionen neue Impulse setzen „oder andere Akzente erforderlich sind, werde ich diese offen, sachlich und nachvollziehbar vertreten“.
Damit Bürger „jederzeit erkennen können, wofür ich politisch stehe“, kündigt Hans-Joachim Hartmann an, künftig regelmäßig über seine Arbeit im Stadtparlament zu informieren, Initiativen zu erläutern und den direkten Dialog mit den Menschen zu suchen. „Politik lebt von Transparenz, Verlässlichkeit und der Bereitschaft zuzuhören“, verweist der Stadtverordnete auf das Handwerkszeug einer demokratisch verfassten Gesellschaft.
Hartmann sieht Raunheim vor wichtigen Herausforderungen
Raunheim stehe vor wichtigen Herausforderungen: von der Sicherung einer soliden Haushaltsführung über die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes bis hin zu Fragen der Stadtentwicklung und der Lebensqualität. Wie Hartmann erklärt, verdienen diese Themen „eine sachorientierte Politik statt ideologischer Auseinandersetzungen“.
Er verstehe seine Aufgabe darin, „Brücken zu bauen, Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig eine klare liberale Stimme“ im Stadtparlament zu sein. Von ihm dürfe erwartet werden, dass Entscheidungen stets danach beurteilt werden, „ob sie unserer Stadt langfristig nutzen – unabhängig von parteipolitischen Schlagworten“.
